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Jetzt in Potsdam zu sehen: Claude Monets "Antibes von den Gärten von Salis aus" (1888). © Sammlung Hasso Plattner

Monet – Mbappé – Hardy

Azurblau-Chefreporter Rolf Liffers streift in dieser Woche durch die Kunstwelt, thematisiert anstehende Wahlen und notiert aktuelle Promi-Schlagzeilen – wie immer mit (Süd-)Frankreichbezug!

Ein Stück Antibes in Potsdam

Das Potsdamer Museum Barberini zeigt ab sofort ein weiteres Werk Claude Monets: das 1888 entstandene Gemälde „Antibes von den Gärten von Salis aus“ (Foto oben) war von der Hasso-Plattner-Foundation erst in diesem Mai erworben worden, also 150 Jahre nach der Finissage der ersten Gemeinschaftsausstellung der Impressionisten.

Das Bild wird im Galerieraum des Museums vorgestellt, der den europäischen Küsten gewidmet ist. Dort hängen neben Werken von Henri-Edmond Cross (Le Lavandou) und Paul Signac, der viele Jahre in Saint-Tropez lebte, auch solche Meeresbilder Monets versammelt, die in den 1880er-Jahren in der Normandie entstanden.

Drei Gemälde zeigen Monets malerische Erkundungen von Venedig im Jahr 1908. Auch die erste Reise des Malers in den Süden im Jahr 1884 ist mit Landschaften vertreten. 1888 reiste er erneut an die Côte d’Azur, diesmal unter anderem nach Antibes. Dort malte Monet auch das Fort, das seit 2020 als Dauerleihgabe im Barberini zu sehen ist. Die Neuerwerbung ermöglicht nun den direkten Vergleich mit einem Werk, das dasselbe Motiv um einen Blick durch verschattete Bäume ergänzt. Beide Gemälde entstanden in den Gärten von La Salis auf der gegenüberliegenden Seite der Bucht. Der Vergleich macht deutlich, wie Monet seine späteren Serien, darunter die Getreideschober und die Seerosen, bereits auf seinen Reisen der 1880er-Jahre vorbereitete, indem er identische Motive in wechselnden Lichtstimmungen malte.

Die beiden nun in der Sammlung Hasso Plattner gezeigten Ansichten von Antibes waren wahrscheinlich bereits im Jahr der Pariser Weltausstellung 1889 nebeneinander zu sehen: Monet hatte sie für seine Doppelausstellung mit Auguste Rodin in der Galerie Georges Petit in Paris ausgewählt. Für beide Künstler bedeutete die Ausstellung den Durchbruch und machte sie einem breiten internationalen Publikum bekannt.

„Antibes von den Gärten von Salis aus“ wurde 1897 an William H. Fuller verkauft, einen Anwalt sowie Freund und Mäzen Claude Monets. Bis 1903 war das Werk Bestandteil von Fullers Sammlung, die auch Monets Gemälde „Weizenfeld“ von 1881 sowie „Kante der Steilküste bei Pourville“ von 1882 umfasste, die beide heute in der Sammlung Hasso Plattner zu sehen sind. Fuller war nicht nur einer der ersten amerikanischen Sammler Claude Monets. Fuller verfasste auch die erste in Amerika erschienene Monographie über den Künstler („Claude Monet and His Paintings“, New York 1889).

Mit der Neuerwerbung stärkt das Museum Barberini seine Bedeutung als eines der wichtigsten Zentren für impressionistische Malerei weltweit. Das 150. Jubiläum des Impressionismus in diesem Jahr feiert das Museum Barberini mit einer Maurice de Vlaminck-Retrospektive (ab 14. September 2024), Symposien, Themenführungen und Workshops.

Mbappé ruft zur Wahl auf

Star der andauernden Fußball-Europameisterschaften in Deutschland ist der französische Nationalspieler Kylian Mbappé. Tagelang beherrschte der 25-jährige Mannschaftskapitän die internationalen Schlagzeilen, weil er trotz politischem Neutralitätsgebot in seinem Sport das Tabu gebrochen und seine Landsleute vor der Presse aufgefordert hatte, sich am 30. Juni und 7. Juli an den Parlamentswahlen zu beteiligen.

Er sei „gegen die Extreme, gegen die Ideen, die spalten“, sagte er und hatte damit einen Sturm an Reaktionen ausgelöst. Über das Erstarken von Marine Le Pens Rassemblement National (RN) hatte er geäußert, „ich will nicht ein Land repräsentieren, das nicht zu meinen Werten passt“.

Auch an der rechtslastigen Côte d’Azur war man darob stolz auf ihn, obwohl weitgehend unerwähnt blieb, dass der Stürmer mit 16 Jahren seine Karriere in der A-Jugend in der Jugendabteilung der AS Monaco begonnen und dort 2015 in die Erste Mannschaft der Monegassen aufgestiegen war.

Erinnerungen an Françoise Hardy

Françoise Hardy im Jahr 1969. Foto: Joost Evers / Anefo, CC BY-SA 3.0 <https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0>, via Wikimedia Commons

Apropos Monaco: Nirgends – außer in ihrer Heimat – wurde die am 11. Juni mit 80 Jahren verstorbene Chansonsängerin Françoise Hardy so sehr betrauert wie in Deutschland und in Monaco. Zwischen ihr und Deutschland bestanden mannigfache Verflechtungen. Berühmt wurde sie hier mit dem Lied „Frag den Abendwind“, für die „Bravo“ gehörte sie zu den beliebtesten Sängerinnen überhaupt, in einem Filmclip spielte sie Marlene Dietrich.

Bei Radio Monte Carlo redigierte und moderierte die Künstlerin fünf Jahre lang (1980 bis 1985) eine bis heute bei den Älteren unvergessene tägliche Astrologie-Sendung. 1963 trat sie mit „L’amour s’en va“ für Monaco beim Grand Prix Eurovision de la Chanson an (5. Platz).

Mick Jagger empfand sie als „ideale Frau“, Bob Dylan widmete ihr ein Gedicht, mit Udo Jürgen machte sie eine LP. Vor genau 20 Jahren, kurze Zeit nach ihrem Comeback mit dem Album „Clair-obscur“, schrieb die gut Deutsch sprechende Pariserin auch ein Buch über Sterndeutung.

Picassos Enkel Kuratoriumsvorsitzender in Münster

Jetzt auch in Deutschland aktiv: Picasso-Enkel Olivier Widmaier Picasso, dessen 1973 verstorbener Vater Pierre Widmaier einer Schiffshändler-Familie entstammte. © Gilles Bensimon, Welcome 2024

Die Stifter des Kunstmuseum Pablo Picasso im westfälischen Münster haben Picasso-Enkel Olivier Widmaier Picasso einstimmig zum neuen Vorsitzenden ihres Kuratoriums gewählt.

Der in Paris lebende Nachfahre des meist an der Côte d’Azur lebenden weltberühmten spanischen Malers (1881-1973) und seiner in Juan-les-Pins verstorbenen Frau Marie-Thérèse Walther (1909-1977) gilt als äußerst vielseitig. In seiner französischen Heimat ist der Volljurist einem Millionenpublikum durch ein eigenes Fernsehformat bekannt, in dessen Rahmen er Prominente wie Karl Lagerfeld, Renzo Piano oder Philipp Starck interviewte. Auch als Musikproduzent reüssierte der 63-Jährige. So lancierte er die Musikkarriere des Tennisstars Yannick Noah, nachdem der den Tennisschläger an den Nagel gehängt hatte. Olivier ist Sohn von Maya Picasso, der ältesten Tochter des Künstlers, die 2022 mit 87 Jahren starb.

In einer ersten Stellungnahme bezeichnete Widmaier Picasso seine Wahl an die Spitze des Gremiums des einzigen deutschen Picassomuseums als “einen großen Vertrauensbeweis und eine Ehre“. Die Direktion des Museums habe das Haus zu einer festen Größe in der internationalen Museumslandschaft gemacht.

Als erste persönliche Herausforderung empfindet Olivier Widmaier Picasso nach eigenen Worten das im nächsten Jahr anstehende 25-jährige Bestehen des Museums, das mit Ausstellungen und einem bunten Rahmenprogramm begangen werden soll.

Clooney & Co. machen Front gegen Trump

Politisch weit aus dem Fenster gelehnt haben sich im Juni auch mehrere Hollywoodstars und Wahlprovenzalen. Ihre Verachtung richtet sich gegen Präsidentschaftsanwärter Donald Trump. George Clooney, der voriges Jahr mit seiner Frau und Menschenrechtsanwältin Amal ein Weingut im Côte-d’Azur-Departement Var bezog und sich dort bereits aktiv und auf Augenhöhe mit der Dorfbevölkerung am Gemeindeleben beteiligt (wir berichteten), sammelte mit Julia Roberts und Barbara Streisand bei einer Spendengala 28 Millionen Dollar für Joe Bidens Wahlkampf ein.

Es war die »größte Spendensammelaktion in der Geschichte der Demokratischen Partei. Die Tickets begannen bei 250 Dollar und reichten bis zu 500.000 Dollar für ein Paket, das ein Foto mit Biden und dem ebenfalls anwesenden Barack Obama sowie eine Eintrittskarte für die After-Party beinhaltete. „Ich muss sagen, es macht mich demütig, diese Gruppe von unglaublichen Künstlern und Befürwortern zu haben, die uns bei dieser Wahl zur Seite stehen«, sagte die First Lady Jill Biden, nachdem sie von Barbra Streisand auf die Bühne geholt worden war.

Robert de Niro („Killers of the Flower Moon“), zweifacher Oscar-Preisträger und im vorigen Jahr bei den Filmfestspielen in Cannes mit Martin Scorsese und Leonardo DiCaprio auf dem roten Teppich, hat in einem neuen Werbespot Joe Biden seine Stimme geliehen. Das unter anderem bei Youtube veröffentlichte Video beginnt mit Szenen, die Trump während seiner Amtszeit zeigen und von de Niro mit scharfen Argumenten kommentiert wurde, um sich Trump zu verweigern. Vor einem New Yorker Gerichtsgebäude, wo der historische Prozess gegen den Ex-Präsidenten lief, fand der Filmstar ebenfalls deutliche Worte: „Trump möchte nicht nur die Stadt zerstören, sondern das Land. Und er könnte irgendwann sogar die Welt zerstören.“

Assange frei - Kunstwerke gerettet

Dank einer politischen Lösung im Fall Assange werden moderne Kunstwerke berühmtester moderner Künstler im Wert von über 42 Million Dollar nicht zerstört, die der südfranzösische Künstler russischer Herkunft, Andrej Molodkin, in Aufbewahrung hat und für den Fall zu „sprengen“ drohte, dass Assange „etwas zustoßen“ werde (wir berichteten).

Seit Dienstag ist der Gründer der Enthüllungsplattform Wikileaks nach einem zwölfjährigen Justizdrama wieder auf freiem Fuß und von England aus sofort zu seiner Familie in seine australische Heimat geflogen. Um endlich freizukommen, hatte Julian Assange zuvor einen Deal mit der US-Justiz geschlossen.

Hüller Taufpatin für Rettungsschiff im Mittelmeer

Die Schauspielerin Sandra Hüller, deren Film „Anatomy of a Fall“ 2023 in Cannes mit der Goldenen Palme ausgezeichnet wurde, wird Taufpatin eines Rettungsschiffs, das von diesem Sommer an Flüchtlingen im Mittelmeer zu Hilfe kommen soll. Die 46-jährige Deutsche übernimmt die Patenschaft des fast 35 Jahre alten Kreuzers «Sea-Eye 5», der früher für die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger vor der Küste Schleswig-Holsteins im Einsatz war.

«Jeder Mensch hat ein Recht auf Freiheit, Frieden und Sicherheit», sagte Hüller zur Begründung. «Ich möchte dazu beitragen, dass Menschen in Not die dringend benötigte Hilfe erhalten.»

Für die private deutsche Hilfsorganisation Sea-Eye mit Sitz in Regensburg sind im Mittelmeer bereits drei andere Schiffe unterwegs. Den Kaufpreis des Kreuzers bezifferte die Organisation auf etwa 465.000 Euro, die durch Spenden finanziert werden sollen. Das zentrale Mittelmeer gehört zu den wichtigsten Routen von Menschen aus Afrika, die nach Europa kommen wollen. Bei der Überfahrt mit oft kaum seetüchtigen Booten kommen immer wieder Menschen ums Leben.

Koffer voll Bargeld - Carla Bruni unter Verdacht

Carla Bruni-Sarkozy, aus Bormes-les-Mimosas (Var) stammende Ehefrau des ehemaligen französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy, steht im Verdacht, ihren Mann in einer Affäre um mutmaßliche Wahlkampfgelder aus Libyen auf illegale Weise unterstützt zu haben. Die Sängerin wurde jetzt erstmals nicht als Zeugin, sondern als Verdächtigte befragt.

In dem seit Oktober 2023 laufenden Verfahren gegen Sarkozy und andere geht es um die Aussagen des franko-libanesischen Mittelsmannes Ziad Takieddine. Der hatte Sarkozy zunächst belastet. Er hatte vor Gericht ausgesagt, 2006 und 2007 Koffer voller Bargeld des ehemaligen libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi an Sarkozy übergeben zu haben.

Später nahm Takieddine seine Aussagen überraschend zurück. Die Justiz ermittelt gegen Sarkozy und seine PR-Beraterin Michele Marchand wegen Zeugenbestechung. Sarkozys Frau, die 2023 lediglich als Zeugin angehört worden war, ist mittlerweile selber in Verdacht geraten: Den Ermittlern war laut ORF aufgefallen, dass Bruni-Sarkozy sämtliche Nachrichten gelöscht hatte, die sie mit der PR-Beraterin ausgetauscht hatte – kurz bevor die Justiz ein Verfahren gegen die PR-Beraterin einleitete.

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