Die Mediathek von La-Valette-du-Var erinnert noch bis zum 14. April an einen der beliebtesten französischen Künstler des 20. Jahrhunderts, der bis 1971 in Antibes lebte: Jacques Prévert (1900-1977).
Dabei wird das lyrische Werk des „jongleur de mots“ ebenso beleuchtet wie das des Kollagisten („colleur d’images“), der er war. Überdies schildert die Ausstellung seinen Werdegang – angefangen von seiner frühen Freundschaft mit Malern wie Picasso, Miró, Braque und den Fotografen Brassai, Izis und Doisneau bis zu seinen größten Erfolgen als Chanson-Dichter, dessen Texte von der Piaf und von Barbara ebenso gesungen wurden wie von Yves Montand, Juliette Greco und Serge Gainsbourg.
Den mit Abstand größten Coup hatte Prévert mit „Les feuilles mortes“ gelandet, das der auf seiner Flucht aus Nazi-Deutschland von Berlin (Clique Brecht/Eisler) nach Frankreich geflüchtete jüdische Komponist Josef Kosma vertonte. „Autumn Leaves“ wurde zum Jazz-Standard.
Auch seine weniger bekannten Seiten werden in La Valette visualisiert: Seine Arbeit als Szenarist und Drehbuchautor bekannter Kinofilme („Kinder des Olymp“), seine Rolle als Kinderbuchautor – insbesondere aber als „Schnippler“: So kaufter sich Prévert auf Flohmärkten und bei Bouquinisten unzählige Zeitungen und Magazine zusammen, um Tausende von Bildern auszuschneiden und zu Kollagen zusammenzukleben. Auf diese Weise entstanden Szenen aus Wunderwelten, die ebenso zauberhaft ausfallen konnten wie traumatisch. Viele von diesen oft mysteriösen, bisweilen aber auch durchaus zeitkritischen Kunstwerken widmete er Freunden und Wegbegleitern – darunter Boris Vian und Maya Picasso.
Von Antibes zog sich der nach einem Unfall nervenkranke Mann ans Ende der Welt zurück, genauer: nach Omonville-la-Petite in der Normandie, wo er im Garten seines Hauses beerdigt ist, das heute als kleines Museum dient.
Die Mediathek von La Valette lädt die Ausstellungsbesucher mit den Worten „Alors, à vos ciseaux!“ („Ran an die Scheren!“) ein, Prévert nachzueifern.
Rolf Liffers
