Zehn Jahre nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den französischen Alpen bei Nizza machen Angehörige der 150 Toten dem Luftfahrt-Bundesamt immer noch schwere Vorwürfe. »Es hätte auffallen müssen, dass der Co-Pilot psychologische Probleme hatte«, sagte der Anwalt Julius Reiter mit Blick auf den Co-Piloten Andreas Lubitz, der das Flugzeug absichtlich gegen ein Bergmassiv gesteuert hatte. Die Fliegerärzte hätten Fehler gemacht und Lubitz durchgewinkt.
Lubitz sei während seiner Ausbildung in den USA wegen einer Depression zusammengebrochen und nach Deutschland zurückgekehrt, sagte Reiter. Dort habe er später ein Gutachten erhalten, mit dem er seine Ausbildung habe beenden können. »Bei den regelmäßigen Untersuchungen von Piloten spielte die psychische Vorerkrankung offenbar keine Rolle«, sagte der Jurist in dieser Woche.
Auch die damalige Bundesregierung trage einen Teil der Verantwortung, weil sie ein europäisches Gesetz unzureichend umgesetzt habe, sagte Reiter. “Wenn es schon vor der Katastrophe befolgt worden wäre, hätte bei den medizinischen Untersuchungen auf die Vorerkrankungen eingegangen werden können.”
Die Hinterbliebenen hatten zunächst gegen die Lufthansa geklagt, waren aber abgewiesen worden. Zuständig sei das Luftfahrt-Bundesamt, das die Fliegerärzte kontrolliere, lautete die Begründung.
R.L
